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Krise am Abschlag, Pech auf dem Grün: So üben Sie sich in Akzeptanz


18. November 2021 , Felix Grewe


Achtung, Frustgefahr! Auf dem Golfplatz lauern viele Fallen, die für Wut und Enttäuschung sorgen.
Achtung, Frustgefahr! Auf dem Golfplatz lauern viele Fallen, die für Wut und Enttäuschung sorgen. | © istockphoto.com


Auf dem Golfplatz können Sie weit mehr lernen als bloß die technischen Fähigkeiten für ein erfolgreiches Spiel. Zum Beispiel: Akzeptanz. Drei Schritte, die Ihnen helfen, anzunehmen, was Sie nicht ändern können.

Wissen Sie, ob der Dalai Lama Golf spielt? Google liefert auf die Schnelle keine eindeutige Antwort. Spuckt einem als Top-Resultat den amerikanischen Film-Klassiker „Caddyshack“ aus, der im Deutschen „Wahnsinn ohne Handicap“ heißt und mit Bill Murray in einer der Hauptrollen ein echter Klassiker von 1980 ist. Jener Hollywoodstar behauptet darin, der tibetischen Hoheit einmal die Tasche getragen zu haben. Tatsächlich allerdings, das zumindest ist das Ergebnis einer kurzen und bei weitem nicht verlässlichen Recherche, bevorzuge der Dalai Lama angeblich die Sportart Badminton. Muss man nicht verstehen. 

Ist aber auch egal, ob er nun Golf oder Federball spielt, gespielt hat oder mit seinen 86 Jahren noch spielen wird. Fakt ist: In einem Interview berichtete er einmal, dass selbst er, der als buddhistischer Mönch quasi weltweiter Botschafter schlechthin für das Thema Gelassenheit ist, immer mal wieder Schwierigkeiten damit habe, Situationen und Umstände zu akzeptieren, wie sie sind. Irgendwie beruhigend, oder?   

Nicht Ihr Spiel ist der Grund für Ihren Ärger...

Es ist also völlig normal, dass Sie grübeln, grollen und mit sich und der Welt hadern, wenn Sie nach ihrem Schlag – frei nach Sam Snead... – wieder einmal zu dicht an Ihrem eigenen Ball stehen. Gewiss ist: Die eigenen begrenzten Fähigkeiten und noch dazu eine zuweilen unterirdische Tagesform zu akzeptieren, fällt meist schwerer, als einen Chip aus dem Bunker zu lochen. Die Vorstellung des perfekten Spiels (ohnehin eine Illusion, von der Sie sich loseisen sollten...) harmoniert eben selten bis gar nicht mit der Qualität des eigenen Spiels. 

Eine Weisheit, so realitätsfremd sie in Ihren Ohren auch klingen mag, sollten Sie sich am besten auf Ihr Bag sticken lassen: Die Ursache für Ihren Ärger, Ihre Wut und Ihren Frust ist niemals Ihr scheinbar lausiges Spiel an diesem Tag – sondern immer die Bedeutung, die Sie ihm beimessen und Ihr Widerstand gegen das, was gerade stattfindet. 

Und wenn die Aussicht noch so schön ist: Eine Krise auf dem Grün ist eine Frust-Garantie. | © pixabay

Und wenn die Aussicht noch so schön ist: Eine Krise auf dem Grün ist eine Frust-Garantie. | © pixabay

Das Gedankenkarussell nach dem Doppel-Bogey an der 18...

Es ist also Ihre persönliche Entscheidung, wie Sie mit einem verzogenen Drive oder einem missglückten Putt umgehen. Ob Sie die Schläge zur Kenntnis nehmen und sie wertfrei akzeptieren als das, was sie sind – ein verzogener Drive oder eben ein missglückter Putt. Oder ob Sie danach (freiwillig!) in Ihrem Gedankenkarussell die ewig gleichen Runden drehen, um nach dem Doppel-Bogey an der 18 darüber zu sinnieren, ob Sie sich besser für alle Zeiten vom Golf subtrahieren sollten.  

Kann man Akzeptanz lernen? Hal Elrod, ein amerikanischer Autor (ob er Golf spielt, ist auch nicht bekannt, dafür überlebte er erst einen schweren Autounfall und dann eine Krebserkrankung) rät zu drei simplen Schritten. Sie können sie auf Ihrer nächsten Runde ausprobieren:   

Drei Schritte für mehr Akzeptanz

1. Ärgern Sie sich – aber nur kurz. Die vollkommene Gelassenheit nimmt Ihnen sowieso niemand ab, nicht einmal Sie selbst. Wut, Frust und Enttäuschung sind okay, wenn Sie sich ein zeitliches Limit setzen. Nach einem miesen Drive zum Beispiel eine halbe Minute, auf dem Grün vermutlich weniger. 

2. Lassen Sie in dieser Zeitspanne, die Sie selbst festlegen, alle Emotionen heraus. Gefühle heißen so, weil sie gefühlt werden wollen. Wäre das Verdrängen ein guter Ratgeber, so hießen sie Gedränge. Also, ruhig mal fluchen, solange Sie die Etikette beachten. 

3. Entscheiden Sie sich dann, wenn die Frust-Zeit abgelaufen ist, bewusst für die Akzeptanz! Ja, es ist wirklich so einfach. Sie können keinen vermasselten Schlag rückgängig machen – lassen Sie ihn los. Fokussieren Sie sich neu. Atmen Sie tief ein und aus. Schließen Sie vielleicht einen Moment die Augen. Reset. Und weiter geht’s! 

Die größte Herausforderung im Leben eines Golfers

In „Caddyshack" gibt es eine Szene, in der heißt es: „Halte den Ellbogen beim Rückschwung gerade und denke bei der Ausführung immer daran, dass es keinen Frieden geben kann, solange es drückende Armut, soziale Ungerechtigkeit, Ungleichheit, Unterdrückung und Umweltzerstörung gibt und solange die Schwachen und Kleinen weiterhin von den Mächtigen und Starken zertreten werden." Es gibt also Wichtigeres als Ihren Score. 

Und trotzdem ist eine radikale Akzeptanz die wohl herausforderndste Aufgabe im Leben eines leidenschaftlichen und gleichermaßen leiderprobten Golfers. Zu lernen, all die haarsträubenden Hacker-Schläge, die unverzeihlichen Patzer, die eigentlich niemals passieren dürfen, aber eben doch passieren, weil Sie ein Mensch sind, mit lässiger Heiterkeit zur Kenntnis zu nehmen. Gelingt Ihnen das auf dem Golfplatz, dann wird es Ihnen auch in anderen Lebenssituationen leichter fallen. Der Dalai Lama würde das bestätigen. Gilt schließlich auch beim Badminton.