LPGA Tour

Von Fischer bis Popov: Alle deutschen Siege im Überblick


22. November 2021 , Daniel Dillenburg


Glücksmoment: Als erste Deutsche gewann Sophia Popov 2020 mit der AIG Women's Open in Royal Troon ein Major-Turnier.
Glücksmoment: Als erste Deutsche gewann Sophia Popov 2020 mit der AIG Women's Open in Royal Troon ein Major-Turnier. | © golfsupport.nl/R&A


Vier DGV-Golferinnen haben bisher auf der LPGA Tour triumphiert. Eine Reise zurück durch die vergangenen Jahrzehnte – von Tina Fischers Coup 2001 bis zu Sophia Popovs Sensation bei der Women’s British Open 2020.

13 Proetten taten sich im Jahr 1950 zusammen und gründeten die Ladies Professional Golf Association (LPGA). Noch im gleichen Jahr fand in Tampa, Florida, das erste Turnier der neuen Tour statt. Die LPGA war so etwas wie der Nachfolger der WPGA (Women’s Professional Golf Association), die von 1944 bis 1949 bestand hatte. Die ersten 18 Jahre war die Damentour komplett in US-amerikanischer Hand und erst 1968 qualifizierte sich mit der Kanadierin Sandra Post aus Kanada eine internationale Spielerin für die LPGA Tour. Deutsche Erfolge hat es in den vergangenen 20 Jahren gegeben. Ein Überblick: 

Tina Fischer

Titel: 1
Debüt-Erfolg: 2001 Asahi Ryokuken International Championship

Im Jahr ihres Erfolgs bei der Indonesian Ladies Open auf der Asian Tour (1998) erspielte sich Tina Fischer über das LPGA Final Qualifying Tournament eine Kategorie, die ihr zumindest die Berechtigung für den Start bei ausgewählten Events in den USA einbrachte. Ihre Ergebnisse reichten jedoch nicht, um die Tourkarte zu sichern. 2000 kämpfte die gebürtige Bad Nauheimerin erneut im Qualifikationsturnier der LPGA Tour. In einem Stechen zwischen sechs Spielerinnen verpasste sie das letzte LPGA-Ticket. Ein Jahr später kehrte Fischer ohne Status auf die Tour zurück und schrieb Geschichte – als erste deutsche Spielerin, die ein LPGA-Event gewinnen konnte. Bei der Asahi Ryokuken International Championship, dem letzten Turnier der Saison, sicherte sie sich nach Runden von 70, 66, 70 Schlägen den Titel, einen Zähler vor den Amerikanerinnen Tracy Hanson und Emilee Klein.

Der Erfolg war aus mehreren Gründen nicht vorhersehbar. Zum einen erreichte Fischer vor der historischen Woche in South Carolina noch keine Top-Ten-Platzierung auf der LPGA Tour. Zum anderen reiste sie grippegeschwächt zu dem Turnier, das ihr die volle Tourkarte für die nächste Saison bescheren sollte. „Ich habe zu Beginn der Woche probiert, so gut es geht durchzukommen“, sagte die damals 30-Jährige. 2002 warf sie eine virale Meningitis in der zweiten Saisonhälfte zurück. In den folgenden Jahren wurde sie noch einmal geteilte Neunte bei der Giant Eagle LPGA Classic 2004. Ein weiterer Titel kam nicht mehr hinzu. 2006 beendete Fischer ihre LPGA-Tour-Karriere.

Sandra Gal schaffte mit ihrem ersten LPGA-Triumph 2011 den Durchbruch. Inzwischen spielt sie aus gesundheitlichen Gründen weniger.

Sandra Gal schaffte mit ihrem ersten LPGA-Triumph 2011 den Durchbruch. Inzwischen spielt sie aus gesundheitlichen Gründen weniger.

Sandra Gal

Titel: 1
Debüt-Erfolg: Kia Classic 2011

Sandra Gals Golfkarriere nahm 2007 Fahrt auf, als sie sich als Amateurin über die das LPGA Final Qualifying Tournament die Tourkarte sicherte und anschließend ins Profilager wechselte. In ihren ersten drei Jahren auf der Tour war ein geteilter fünfter Rang 2009 bei der LPGA Corning Classic das beste Resultat. 2011 schaffte sie den Durchbruch auf der LPGA Tour. Bei ihrem dritten Saisonauftritt gewann sie mit 16 unter Par die KIA Classic im Industry Hills Golf Club in Kalifornien. Damit wurde die damals 25-Jährige nach Tina Fischer zur zweiten deutsche Siegerin überhaupt auf der LPGA Tour. In einem spannenden Duell mit der Südkoreanerin Jiyai Shin (damals Weltranglistenzweite) setzte sich Gal mit einem Schlag Vorsprung durch. „Für ihren Triumph kassierte die Düsseldorferin 255.000 Dollar.

In den drei Jahren danach beendete Gal jede Saison unter den Top 50 der Gesamtwertung. 2019 erlitt die Deutsche mit der Diagnose Lyme-Borreliose einen gesundheitlichen Rückschlag. Seitdem zog sich die LPGA-Siegerin sukzessive aus dem Tourgeschehen zurück und spielte in den Jahren 2020 und 2021 nur zehn Turniere.

Caroline Masson kämpfte zwischen 2013 und 2019 viermal in Folge für das

Caroline Masson kämpfte zwischen 2013 und 2019 viermal in Folge für das "Team Europe" im Solheim Cup. Zudem vertrat sie Deutschland 2016 und 2021 bei den Olympischen Spielen.

Caroline Masson

Titel: 1
Debüt-Erfolg: 2016 Manulife LPGA Classic

Ein Jahr nach ihrem Sieg auf der Ladies European Tour startete Caroline Masson 2013 erstmals auf LPGA-Level. Ihre Rookie-Saison war beeindruckend. Nach 14 von 22 erfolgreichen Cuts und zwei Top-Ten-Ergebnissen beendete sie die offizielle Rookie-Wertung auf Rang zwei, nur einen Punkt hinter der Siegerin Moriya Jutanugarn. Im gleichen Jahr gab Masson ihr Solheim-Cup-Debüt. Bereits in ihrem zweiten LPGA-Jahr kämpfte sie um ihren ersten Titel. Bei der Blue Bay LPGA wurde sie Zweite. 2016 gelang Masson der Durchbruch in Amerika. Mit einem persönlichen Rekordergebnis von 16 unter Par gewann sie die in Kanada ausgetragene Manulife Classic, einen Schlag vor Karine Icher, Lee Mi-hyang sowie Minjee Lee.

„Ich kann es kaum glauben“, jubelte die damals 27-Jährige nach ihrem größten Erfolg. „Zwar war ich in einer guten Position und dachte, mit einer wirklich guten Runde hätte ich eine Chance, aber so richtig erwartet habe ich den Sieg nicht.“ Masson war mit drei Schlägen Rückstand auf die Führung in den Finaltag gegangen und hatte auf der ersten Bahn ein Doppel-Bogey kassiert. Im weiteren Verlauf der Runde notierte die Gladbeckerin neun Birdies und schob sich Loch für Loch an der Konkurrenz vorbei. Die Saison beendete Masson auf dem 26. Platz – persönlicher Bestwert. Ihre größte Stärke war in den vergangenen Jahren die Konstanz: Bei 51 Turnieren in den Jahren 2018 und 2019 verpasste sie nur vier Cuts.

Sophia Popovs Triumph bei der Women’s British Open 2020 bleibt unvergessen. Ein Jahr später vertrat sie Europa beim Solheim Cup und Deutschland bei den Olympischen Spielen in Tokio.

Sophia Popovs Triumph bei der Women’s British Open 2020 bleibt unvergessen. Ein Jahr später vertrat sie Europa beim Solheim Cup und Deutschland bei den Olympischen Spielen in Tokio.

Sophia Popov

Titel: 1
Debüt-Erfolg: 2020 Women’s British Open

Dank eines geteilten elften Rangs beim Final Qualifying Tournament qualifizierte sich Sophia Popov 2015 für ihre erste Saison auf der LPGA Tour. Die nötigen Ergebnisse, um die Tourkarte zu halten, blieben jedoch aus. Sie kehrte zurück auf die Symetra Tour, wo die in Boston geborene Deutsche bis 2020 unterwegs war und um den Aufstieg kämpfte. 2019 fehlte Popov in der Q-School nur ein Schlag zum LPGA-Ticket. Ihren Durchbruch feierte sie 2020, als sie zunächst drei Turniere auf der drittklassigen Cactus Tour gewann und dann bei ihrer erst zweiten Teilnahme an der Women’s British Open den Sensations-Sieg schaffte.

Popov qualifizierte sich dank eines starken Resultats bei der Marathon Classic auf der LPGA Tour und ging als 304. Der Weltrangliste in das Major-Turnier in Royal Troon. Zu diesem Zeitpunkt besaß die damals 27-Jährige nicht einmal eine LPGA-Tourkarte, spielte aber die Woche ihres Lebens und gewann die Open mit zwei Schlägen Vorsprung auf die Thailänderin Thidapa Suwannapura. "Es ist unglaublich", sagte Popov von Emotionen überwältigt bei der Siegerehrung. Noch nie zuvor hatte eine deutsche Spielerin ein Major-Event gewonnen. Ausgerechnet Popov, die zwischenzeitlich an ein Karriereende gedacht hatte, gelang dieser Coup. Umgehend nach ihrem größten Karriereerfolg nahm sie die LPGA-Mitgliedschaft an und startete 2021 nicht nur bei ihrem ersten Solheim Cup, sondern vertrat Deutschland auch bei den Olympischen Sommerspielen in Tokio.