Rückblick 2021

Langers lange Reise ins Glück


16. November 2021 , Daniel Dillenburg


Sechster Gesamtsieg auf der PGA Tour Champions – Bernhard Langer spielte alle 39 Turniere der Saison und steht am Ende wieder einmal ganz oben.
Sechster Gesamtsieg auf der PGA Tour Champions – Bernhard Langer spielte alle 39 Turniere der Saison und steht am Ende wieder einmal ganz oben. | © golfsupport.nl/Lawrence Iles/ism


Am Ende der längsten Saison in der Geschichte der PGA Tour Champions gewinnt Bernhard Langer zum sechsten Mal den Charles Schwab Cup. Ein Rückblick auf die vergangene Spielzeit.

Was im Januar 2020 begann, fand 22 Monate später ein würdiges Ende. Die abgelaufene PGA-Tour-Champions-Saison war mit 39 Events über knapp zwei Jahre die längste Spielzeit in der Geschichte der Seniorentour. Grund für diese ungewöhnliche Maßnahme war die Corona-Pandemie, die den Spielbetrieb im März 2020 für knapp fünf Monate lahmlegte. Zu diesem Zeitpunkt waren erst fünf Events gespielt. Eines davon gewann Bernhard Langer, der bei der Cologuard Classic seinen 41. Titel auf der PGA Tour Champions perfekt machte. „Wenn ich mein bestes Golf spiele, kann ich weiterhin gewinnen“, so der Deutsche, der mit diesem Sieg in seiner 14. Saison in Folge mindestens einen Titel holen konnte. Im Charles Schwab Cup übernahm er die Führung nach vier gespielten Turnieren.

Erfolgreiches Debüt von Phil Mickelson

Mit dem Restart nach der Corona-Pause stieg auch die Leistungsdichte auf der Tour. Jim Furyk gab bei der Ally Challenge im August sein Debüt und gewann gleich seine ersten beiden Turniere als Senior. Der Mann aus Pennsylvania sollte bis zum Schluss Langers größter Konkurrent bleiben. Und auch Phil Mickelson feierte im August 2020 seine Champions-Premiere. Er tat es seinem Landsmann gleich und triumphierte ebenfalls bei seinen ersten beiden Starts. Der PGA-Championship-Sieger 2021 verstand sich aber trotz seines Alters noch als PGA-Tour-Spieler und nahm in der gesamten Saison nur an sechs Turnieren teil – vier davon gewann er. Langer bekam es in der vergangenen Saison also mit neuer Konkurrenz zu tun, die bis zu 13 Jahre jünger war als er.

Im August 2020 feierte Phil Mickelson seine Premiere auf der PGA Tour Champions – damals war er gerade 50 Jahre alt.

Im August 2020 feierte Phil Mickelson seine Premiere auf der PGA Tour Champions – damals war er gerade 50 Jahre alt.

Rekord-Rookie Cejka

Für Langer scheint das Alter weiterhin wenig Bedeutung zu haben, das bewies der gebürtige Anhausener in der ersten Saisonhälfte. Wäre nach der Charles Schwab Cup Championship 2020 Schluss gewesen, hätte Langer schon dort seinen sechsten Gesamtsieg gefeiert. So musste sich der zweimalige Masters-Sieger noch gedulden und weiter Gas geben. Mit einem Saisonsieg und elf Top-Ten-Resultaten ging Langer als der Gejagte ins neue Jahr. 2021 war auch die erste Champions-Tour-Saison von Alex Cejka. Über das Monday Qualifier verdiente sich der PGA-Tour-Sieger einen Startplatz bei der Cologuard Classic und wurde zum erst zweiten Deutschen neben „dem ewigen Bernhard“, der auf der PGA Champions Tour abschlug. Die Tourkarte, die Cejka anfangs noch nicht hatte, verdiente er sich schnell.

Cejka besser als Nicklaus

Denn nach einem geteilten zweiten Rang bei seinem zweiten Tour-Start, qualifizierte er sich über die Nachrückliste für sein erstes Champions-Major und sorgte dort gleich für eine Sensation. Nach vier Runden im Greystone G&CC erspielte sich Cejka ein Stechen gegen Steve Stricker und stand damit vor dem größten Erfolg seiner Karriere. Ein Birdie am ersten Extra-Loch sicherte dem gebürtigen Tschechoslowaken den Titel bei der Regions Tradition und gleichzeitig eine fünfjährige Spielberechtigung. „Ein Traum geht in Erfüllung“, jubelte Cejka nach dem Triumph. Es war ein Sieg wie ein Brustlöser für den stets so hart arbeitenden Profi. Nur drei Wochen später gewann er mit der Senior PGA Championship bei seinem zweiten Start sein zweites Major auf der PGA Tour Champions – das schaffte vor ihm kein anderer. Nicht einmal Jack Nicklaus, der 1990 in seiner Rookie-Saison zwar ebenfalls zwei große Titel holte, jedoch nicht bei den ersten beiden Starts. „Seitdem ich 50 bin scheine ich mehr Glück zu haben, mehr Putts zu lochen und besser zu driven“, analysierte Cejka. 

Zweikampf zwischen Langer und Furyk

Während Cejka nach seinen beiden Major-Erfolgen noch vier weitere Top-Ten-Resultate einspielte und die Saison als 13. der Wertung beendete, spitzte sich das Rennen um den Charles Schwab Cup immer weiter zu. Neben Langer und Furyk hatten auch Ernie Els und Miguel Angel Jiménez bis zum Schluss eine Chance auf den Gesamtsieg. Der Südafrikaner Els gehörte mit 36 Starts zu den Vielspielern der vergangenen Saison und gewann zwei Mal. Am Ende wurde er Vierter des Charles Schwab Cups hinter Jiménez, der ebenfalls zwei Titel holte. Das entscheidende Duell hieß Langer gegen Furyk. Letzterer konnte nach seinen beiden Siegen zu Beginn seiner Champions-Laufbahn mit einem Major-Erfolg bei der U.S. Senior Open Championship seine Ansprüche auf den Gesamtsieg unterstreichen. In dieser Phase der Saison führte den Charles Schwab Cup aber noch Jerry Kelly an, der wenige Wochen zuvor seinen zweiten Saisonsieg geholt hatte und ebenfalls lange Zeit um die große Trophäe kämpfte. Ein später Einbruch in der Formkurve sorgte jedoch dafür, dass sich Kelly am Ende mit dem fünften Rang abfinden musste.

Jim Furyk (51) lieferte Bernhard Langer einen großen Kampf um den Charles Schwab Cup.

Jim Furyk (51) lieferte Bernhard Langer einen großen Kampf um den Charles Schwab Cup.

Langer einen Sieg vom Rekord-Champion Irwin entfernt

Langer und Furyk lieferten sich einen spannenden Endspurt. Der Amerikaner war gegen Ende der Saison der konstantere Spieler mit nur einem verpassten Top-Ten-Platz bei den letzten neun Starts. Als Langer aber das erste Event der Charles Schwab Cup Playoffs gewinnen konnte, war Furyk unter Zugzwang und benötigte ebenfalls noch einen Sieg. Der Deutsche spielte sein bestes Golf, als er es am meisten brauchte. Der Titel bei der Dominion Energy Charity Classic bedeutete den 42. PGA-Tour-Champions-Sieg für Langer, womit er nur noch drei Titel vom Rekordsieger Hale Irwin entfernt ist. Viel wichtiger dürfte ihm aber in diesem Moment der große Schritt in Richtung Charles Schwab Cup Nummer sechs gewesen sein.

Pause für den Champion

Für das Saisonfinale war die Voraussetzung klar: Gewinnt Furyk die Charles Schwab Cup Championship, reicht Langer selbst ein zweiter Platz nicht aus, um in der Gesamtwertung vorne zu bleiben. Als dann der Rücken des 64-Jährigen streikte und Langer über eine Aufgabe nachdachte, schien der Erfolg Furyks kaum noch zu nehmen. Trotz Führung nach drei Runden konnte der 51-Jährige den Sieg nicht ins Ziel retten und somit wurde am Ende Langer, der am Samstag trotz Schmerzen eine 63 spielte und damit erstmals unter seinem Alter blieb, wieder einmal mit der Trophäe für den besten Spieler der Saison geehrt. „Ich bin überwältigt, mit 64 Jahren den Titel zum sechsten Mal zu holen“, erklärte der glückliche Sieger nach einer „emotionalen Achterbahn“. „Es ist wahrscheinlich mein letzter Sieg, da bin ich mir fast sicher. Es ist sehr besonders.“ 

Der Titel bei der Dominion Energy Charity Classic war der 42. PGA-Tour-Champions-Sieg für Bernhard Langer.

Der Titel bei der Dominion Energy Charity Classic war der 42. PGA-Tour-Champions-Sieg für Bernhard Langer.

Nach der anstrengenden Saison 2020-21, in der Langer an allen 39 Turnieren teilnahm, ging es für ihn nach Deutschland, um sich einer Behandlung an seinem Knie zu unterziehen. „Ich werde für sechs bis acht Wochen keine Bälle schlagen.“ Für den Saisonstart in Hawaii will er wieder fit sein. Dort würde er dann zum sechsten Mal in seiner Karriere als amtierender Charles-Schwab-Cup-Champion abschlagen.

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